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Die Videosprechstunde – Möglichkeiten & Chancen einfach erklärt.

War die Videosprechstunde in den letzten Jahren noch ein technisches Nischenthema, so ist sie heute in aller Munde. Ein Experte für Praxismarketing erläutert, warum sich ihr Einsatz auch langfristig als Element eines digitalen Praxismanagements lohnt und was dabei im praktischen Betrieb beachtet werden sollte.

Digitalisierung in der Praxis.

Zwar können Online-Sprechstunden bereits seit längerem durchgeführt und abgerechnet werden, jedoch wird erst in den letzten Monaten tatsächlich offen über die Chancen und den Nutzen auf breiter Ebene diskutiert. Wenn auch genaue repräsentative Zahlen noch fehlen, so kann man zumindest zusammenfassen, dass die Akzeptanz bei Patienten und Ärzten für diese „neue“ Technologie merklich gestiegen ist. So sind die Vorteile offensichtlich, gerade in Bezug auf beschwerliche Anfahrtswege oder die Betreuung nach Krankenhausaufenthalten. Aber wie es mit „neuen“ Technologien so ist, herrscht aktuell noch viel Unsicherheit über die Funktionsweise und die tatsächlichen Möglichkeiten. Klassiker für die Videosprechstunde sind die Besprechung von Befunden, die Vorgespräche zu Operationen, die Verlaufskontrolle nach stationären Aufenthalten, die Anpassung von Medikationen oder die Überweisung zur Anschlussbehandlung. Die Videosprechstunde kann den persönlichen Kontakt zum Patienten zwar nicht ersetzen, aber gezielt ergänzen. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand:

Effizientere Arbeitsabläufe.

Automatisierbare Prozesse erhöhen die Behandlungskapazität ohne zusätzliches Personal. So fallen beispielsweise Behandlungszimmerwechsel bei Videosprechstunden weg. Auch ersetzt die Sprechstunde per Video zahlreiche Hausbesuche und verringert so Zeit- und Personalaufwand sowie die Anfahrtskosten.

Zeitersparnis für Patienten.

Lange Anfahrtswege, der Bedarf an Begleitpersonen sowie die Zeit im Wartezimmer entfallen. Ärzte erleichtern ihren Patienten den Zugang zu ihrer Praxis und erhöhen so ihre Attraktivität.

Entlastung für Mitarbeiter.

Durch das digitale Wartezimmer und automatisierbare Prozesse entlasten Praxen mit Online-Sprechstunden ihre Mitarbeiter. Zudem sparen sie Zeit, weil sie das Behandlungszimmer nicht wiederherrichten müssen und können sich anderen wichtigen Dingen widmen.

Minimierung von Verdienstausfällen.

Ärzte können Patienten kontaktlos betreuen, ganz ohne Ansteckungsgefahr für die gesamte Belegschaft. Dazu braucht es nicht einmal eine globale Epidemie, denn das betrifft das Infektionsrisiko insgesamt.

Angenehmere Atmosphäre in der Praxis.

Zum einen ist es für einen Patienten komfortabel, sich die Sprechstunde in die eigenen vier Wände zu holen. Zum anderen ist es auch für die Patienten in der Praxis angenehmer, wenn das Wartezimmer nicht überfüllt ist. Verstärkt wird dies noch durch die aktuelle Situation mit COVID-19.

Homeoffice für Ärzte

Ärzte sind nicht mehr an Ort und Zeit gebunden. Gerade diejenigen mit Familie freuen sich, durch Videosprechstunden ihre Behandlungszeiten individueller gestalten zu können. So hilft die Technik, die Sprechzeiten den Lebensumständen anzupassen, ganz ohne zusätzliches Personal. Darüber hinaus können Ärzte mit Online-Sprechstunden auch auf die Bedürfnisse ihrer berufstätigen Patienten reagieren und ein attraktives Angebot außerhalb der Arbeitszeiten schaffen.

Was Sie beachten sollten

Denken Sie daran, dass sich Menschen vor einer Kamera anders verhalten, als wenn sie sich persönlich gegenübersitzen. Unsere Kunden sitzen bei den Videokonferenzen schon mal in einem unaufgeräumten Zimmer oder trinken nebenbei ein Gläschen Wein. Das ist oft sogar ganz sympathisch, bei einem Patientengespräch sieht das aber natürlich anders aus. Selbst eine zu entspannte Sitzposition wirkt durch die Kamera schnell desinteressiert.
Daher sollten Sie während des Gesprächs immer wieder schauen, wie Sie auf dem Bildschirm wirken. Denken Sie auch daran, sich vor einem neutralen Hintergrund wie einer weißen Wand zu platzieren oder Ihren Hintergrund weich zeichnen zu lassen und sorgen Sie für eine ruhige Umgebung.

Videosprechstunde als Instrument zur Profilbildung.

Mit der Einführung einer Videosprechstunde setzen Sie ein klares Signal an Ihre Patienten und Mitarbeiter. Sie positionieren sich als innovative Arztpraxis und als Vorreiter. Damit erhöhen Sie nicht nur den Patientenkomfort, sondern Sie signalisieren auch eine moderne Praxis, in der Ihre Patienten gut aufgehoben sind. Dies steigert unterbewusst das Qualitätsempfinden gegenüber Ihrer Praxis.
Das Gleiche gilt auch für Sie als attraktiver Arbeitgeber, der im Wettbewerb um die besten Fachkräfte steht. Engagierte Mitarbeiter arbeiten generell lieber in einem modernen Umfeld, denn die Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem signalisiert auch, dass Sie aufgeschlossen gegenüber Ihren Mitarbeitern sind und ihre Anliegen Gehör finden werden.
Wenn Sie die Möglichkeiten des digitalen Praxismarketings nutzen, können Sie in der Behandlung den Fokus auf Ihre Spezialisierung legen und so Ihre Wunschpatienten erreichen und langfristig binden.

Praxis fit machen für die Digitalisierung.

Viele Praxen haben digitales Praxismarketing als Chance genutzt, um ihre bestehenden Prozesse zu hinterfragen. So sollte die Videosprechstunde auch nur ein Baustein in der Gesamt-Digitalisierungsstrategie der Praxis sein. Damit aus einem Baustein ein solides Fundament entsteht, benötigt es noch viele weitere. Wenn Sie online nicht gefunden werden, wissen Ihre (potenziellen) Patienten gar nicht, dass Sie eine Videosprechstunde anbieten. Mit der klassischen telefonischen Terminvereinbarung zu Sprechzeiten werden Sie Ihre Wunschpatienten gerade in Großstädten nur schwer erreichen. Eine Praxis hingegen, die es über ein Online-Terminvereinbarungssystem möglich macht, zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Termin zu buchen, hat es da schon wesentlich einfacher. Dies ist insbesondere für Zusatzleistungen interessant sowie für Fachbereiche, bei denen die Hemmschwelle anzurufen für Patienten insgesamt höher ist.
Trotz aller Möglichkeiten sollten Sie sich nicht verbiegen und authentisch bleiben. Seien Sie stets informiert über die neusten Möglichkeiten, aber nutzen Sie nur die Technik, die auch in Ihr Praxiskonzept passt und Ihnen einen Mehrwert bietet.

Lesen Sie den vollständigen Artikel ab Seite 14 in Nordlicht – dem Mitteilungsblatt der KVSH.
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